BABYMETAL-Deutschland-Tour: Der ausführliche Erfahrungsbericht

Die Konzerte von BABYMETAL in Frankfurt und Berlin

Ein Bericht von Ricardo Dietrich

Rückblick: 1. Juni 2015, Straßburg, warten aufs BABYMETAL-Konzert im La Laiterie. Ein paar Tage zuvor wurde bekannt gegeben, dass BABYMETAL die beiden Shows in Frankfurt und Berlin spielen würden. Natürlich kam unter den deutschen Fans schnell die Frage aller Fragen auf: „Und, bist du bei den nächsten Deutschland-Shows dabei?“. „Vielleicht, aber auch nur vielleicht werde ich nach Frankfurt fahren.“ war damals meine Antwort… Kurz nach Start des Vorverkaufs hatte ich dennoch aus unerfindlichen Gründen ein Ticket für Frankfurt und Berlin. Ich konnte es doch nicht lassen. Ein Konzert in meinem Land auslassen, so etwas gehört sich nicht für einen Die-Hard-BABYMETAL-Fan.
Kurz darauf tat sich allerdings schon das erste Problem auf: Wie organisiert man so etwas? Wie kommt man innerhalb eines Tages von Frankfurt nach Berlin, und dann schnellstmöglich wieder nach Hause? Die Bahn wäre zu teuer für einen jungen Menschen, mit dem Auto wäre einfach nur verrückt. Aber Moment, ich bin doch verrückt genug um so was durchzuziehen für meine Lieblingsband. Problem gelöst. Also auf eine Fahrgemeinschaft gebildet mit einem Kollegen ganz aus meiner Nähe und auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Zum Glück waren wir uns beide einig, dass wir sehr früh da sein wollten, um auch ja die besten Plätze zu bekommen. Und sehr früh heißt bei uns nicht später als 2 Uhr morgens. Ja, ehrlich, ich kann das selbst immer noch nicht glauben.

18 Stunden Warteschlange und BABYMETAL spielen Wembley

Ankunft um 2 Uhr, was erwartet uns dort also? Erst mal nichts, wie sollte es auch anders sein, 18 Stunden vor Konzertbeginn. Gähnende Leere. Beim zweiten Hinsehen jedoch fanden wir jemanden vor dem Tor der Batschkapp, der scheinbar noch verrückter als wir ist. Bei dem Kerl, der dort eiskalt vor dem Tor gepennt hat, handelte es sich um niemand geringeren als Beer-san! Wie soll man Beer-san am besten beschreiben… Durch unsere Ankunft ist er natürlich aufgewacht und es war uns beiden relativ schnell klar, dass dieser Kollege unseren gesamten Trip um einiges bereichern würde. Mit einem hohen Pegel wachte er auf und seine ersten Worte waren doch tatsächlich: „I want Beer!“, mit einem typisch japanischen Akzent. So unterhielten wir uns mit ihm gute zwei Stunden und mussten uns ordentlich kaputt lachen, bei dem was er machte und erzählte. Er erzählte uns davon, wie gut deutsches Bier sei und regte sich tierisch darüber auf, dass wir beide Moa-Fans sind. Unter anderem rannte er noch einen Halbmarathon über die Straße vor der Batschkapp, was man halt so macht, wenn man zu tief ins Glas geschaut hat.

Um 4 Uhr morgens kamen zwei weitere Japaner, Freunde von Beer-san. Einer von ihnen war Tai-chan, der unter anderem durch folgende paar Sätze während unseres Trips „berühmt“ geworden ist: „Hello, my name is Taiga. But I want you to call me Tai-chan. Can you please sign my flag?“. Tatsächlich war es so, dass er Unterschriften von Fans auf einer BABYMETAL-Flagge sammelte, im Gegenzug aber süße Buttons von BABYMETAL und Sakura Gakuin verteilte. Nur diese paar Sätze, die durften wir noch ungefähr tausend Mal an diesem Tag hören, was wir letzten Endes ziemlich amüsant fanden, wie er sich immer wiederholte. Weitere zwei Stunden, um 6 Uhr morgens, war es dann soweit: Endlich ein wenig deutsche Unterstützung! Micha, der sich in Straßburg mit um den Geldregen gekümmert hat, war nun also der dritte Landesmann im Bunde. Und er hatte Kaffee dabei, die vielleicht zweitbeste Überraschung an diesem Tag (Die beste kommt gleich noch! ;-) ). Diesen hatten wir auch ziemlich nötig, wir haben ja mal eben so eine Nacht durchgemacht und in der Zwischenzeit hat es sich auf frische 10 Grad abgekühlt.

Die nächsten paar Stunden passierte nichts wirklich Spannendes. Es kamen immer mehr Japaner und irgendwann auch Briten hinzu, und wir waren ein wenig geknickt, dass wir Deutschen für eine lange Zeit absolut in der Unterzahl waren, wo wir doch endlich mal wieder ein „Heimspiel“ hatten. Solange zumindest, bis Vivian mit ihrer Mutter und der selbstgedruckten BABYMETAL-Kohle ankam. Ab dem Zeitpunkt stieg die Stimmung wieder, da sich auch endlich mehr und mehr deutsche Fans aufrappeln konnten, ab ungefähr 12 Uhr mittags zu kommen. Noch vorher allerdings wurde etwas Erstaunliches verkündet, einer der Engländer las es von seinem Handy vor: BABYMETAL spielen in der SSE Arena in Wembley! Die Traube vor dem Tor der Batschkapp flippte aus und uns allen war relativ schnell klar, dass wir bei diesem Spektakel auf jeden Fall auch dabei sein werden. Da doch die meisten schon in Brixton beim Konzert waren, gibt es nun bei Wembley absolut kein Zögern mehr. Der Rest des Tages verlief eigentlich relativ uninteressant. Zwischendurch bin ich irgendwie 15 Minuten auf der Bordsteinkante weggedöst und nachdem ungefähr 50 Leute anwesend waren (immer noch zum Großteil Japaner), stagnierte das Wachstum stark. Für einen langen Zeitraum kamen gar keine oder nur sehr sehr wenige Leute hinzu. Beer-san pendelte zwischen Schlange und Hotel und bereicherte uns immer mal wieder zwischendurch mit seiner herzlichen Art. Ebenfalls witzig fanden wir, dass er von Faxe- auf Krombacher-Bier umgestiegen ist, sobald ihn jemand aufklärte, dass es sich bei Faxe um dänisches Bier handle. Um 15 Uhr ungefähr fingen wir an uns Sorgen zu machen, dass das Konzert ein Flop wird.

Die Besucherzahl hielt sich noch immer stark in Grenzen und der obligatorische Tiefpunkt stellte sich langsam ein: Kein Bock mehr zu warten, müde und ausgelaugt. Eine kleine Aufmunterung waren die CDs, die die freundlichen Japaner wieder verteilten, um ihre Lieblings-Idols zu unterstützen. Die große Überraschung allerdings bot mir dann Vivian, die mir einen ihrer Moa-Beutel schenkte. Offizielles Merchandise ist dieser zwar nicht und hat auch nicht dessen materiellen Wert, ich als Moa-Fan hab mich jedoch trotzdem riesig über diese Geste gefreut! Ein selbstgemachtes Unikat hat nun mal (zumindest für mich) einen deutlich größeren symbolischen Wert als jedes Merchandise, top! Als sich dann gegen Nachmittag doch ein paar mehr Leute eingefunden haben, fiel dem routinierten BABYMETAL-Konzertgänger schnell etwas auf: Das sind fast dieselben Leute, die man auch vorher schon in Brixton und Straßburg getroffen hat! Etwas mehr als ein Jahr nach BABYMETALs Europa-Debüt, scheint sich die Fanbase langsam einzufinden und ganz vorne sieht man immer dieselben Pappenheimer. Die Fanbase ist fast wie eine kleine Familie und inzwischen kennt man sich auch gegenseitig. Und ich bin echt froh, Teil dieser Fanbase zu sein und mich bei jedem Konzert aufs Neue darauf freuen zu können, bekannte Gesichter wiederzusehen. Ebenfalls auffällig an der Schlange war das Verhältnis der VIP-Leute zu den Besitzern eines Standard-Tickets. Wo doch die VIP-Tickets so ausgelegt sind, dass man nicht stundenlang anstehen muss für einen vernünftigen Stehplatz, sind nun die VIPs alle als Erstes in der Warteschlange, um auch ja den besten Platz zu bekommen. Sinnvoll ist dies ja auch, wenn die von einem Japaner organisierte Nummerierung der VIP-Tickets gut funktioniert. Ein wenig wird das Ticket so zwar zweckentfremdet, aber zu einem BABYMETAL-Konzert gehört nun mal nicht nur das Konzert, sondern auch das eben beschriebene Treffen in der Schlange. Also absolut verständlich, dass die VIPs auch für dieses Erlebnis früh erscheinen.

Zwischenzeitlich kam auch die Fotografin, Dana Distortion noch einmal raus und nahm sich viel Zeit für die Fans. Unter anderem hat sie Fotos gemacht und Interessenten über ihren T-Shirt-Verkauf aufgeklärt. Dabei scheint sie wirklich selbst überrascht gewesen zu sein, wie viele Fans sie mittlerweile auch schon hat. Dann endlich, nachdem auch Kollege Fugo und andere Konsorten, die man bereits vom Köln-Konzert kennt, es zur Halle geschafft haben, war es nach über 16 Stunden endlich Zeit für den Einlass. Ein wenig nervös war ich schon, schließlich war es für mich das erste Mal mit einem VIP-Ticket und ich wollte natürlich unbedingt einen guten Platz in der ersten Reihe haben. Meine Sorgen stellten sich allerdings als vollkommen unberechtigt heraus. Die Japaner haben sich viel Mühe gegeben und die VIPs fein säuberlich aufgereiht. So bin ich als Nummer 1, gemeinsam mit Beer-san, als Erster in der Halle gewesen und konnte sogar noch in Ruhe Merchandise kaufen, bevor ich tatsächlich meinen gewünschten Platz, mitte erste Reihe, direkt vor Su-Metal ergattern konnte.

Das Konzert in Frankfurt geht los und die ersten Abschiede

Mit Vivian und niemand geringerem als Giovanni, welche die Plätze direkt hinter mir ergattern konnten, als Unterstützung im Rücken, ging das Konzert also los, auf das ich inzwischen fast 18 Stunden gewartet hatte. Die erste Auffälligkeit machte sich direkt beim Intro bemerkbar: Statt eines fallenden Vorhangs oder einem Lift, sind die drei Mädchen einfach so auf die Bühne spaziert, ohne einen großen Überraschungseffekt. Ungewöhnlich, denn ohne Vorhang oder Bildschirm konnte auch kein Kurzfilm über den Metalmaster als Einleitung gespielt werden, sondern wir mussten uns mit dem Ton, ohne dem zugehörigen Video abgeben. Sonst verlief die Show wie gewohnt, na ja, fast wie gewohnt. Insgesamt war sie ein wenig unscheinbar. Es gab wenige Leute, die gefilmt haben, was ich ja erst mal sehr bevorzuge. Allerdings gab es leider auch nur sehr wenige Leute, die irgendwie für Stimmung gesorgt haben. Die ersten Reihen waren zwar wie immer am Beben, und ich war wirklich beeindruckt, dass man mittlerweile nicht nur mitsingt, sondern auch teilweise die Choreos der drei Mädchen mittanzt. Jedoch war in den hinteren Reihen relativ wenig los. Die Wall of Deaths waren lahm, es wurde nicht viel gemosht und während des gesamten Konzerts flog mir nicht ein einziger Crowdsurfer über den Kopf. Am meisten Abwechslung bot da noch der Geldregen bei „Onedari Daisakusen“. Dieser war zwar noch besser organisiert als in Straßburg und es wurden auch mehr Scheine verteilt, aufgrund der Größe der Halle allerdings, sah er meiner Meinung nach nicht ganz so imposant aus. So zumindest mein Gefühl, ich kann mich auch täuschen. Weiterhin negativ war, dass der Sound wirklich schlecht war. Also nicht „ausbaufähig“ oder ein bisschen übersteuert, sondern wirklich grottenschlecht. Die Instrumente konnte man nicht auseinanderhalten, die Mädchen sind unter diesem Baustellenlärm total untergegangen und generell war der Sound fürchterlich blechern und einfach dreckig. Ich weiß nicht, was mit der Band bzw. dem Tontechniker momentan los ist, aber seit Straßburg bekleckert sich die Band nicht gerade mit Ruhm, was den Ton angeht.

Dies ist eigentlich so der Hauptkritikpunkt an dem Konzert, zusammen mit dem spärlichen Merchansdise. Wirklich nur zwei Shirt-Designs? Und die World Tour 2014 Armbänder zum doppelten Preis verkaufen? Really?! Des Weiteren hatten sich viele Fans auf den neuen Song „Awadama Fever“ gefreut, in der Hoffnung, sie würden ihn vielleicht spielen. Die Ankündigung für Wembley machte zwar jegliche Chancen darauf zunichte, da man neue Songs eher für die Arena aufheben würde, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und natürlich haben sie ihn an diesem Abend nicht gespielt, was auch nicht viele Hoffnungen für Berlin übrig ließ, dass der Song dort vielleicht gespielt würde. Weiterhin negativ aufgefallen ist mir -wobei das die restlichen Besucher nicht so sehr gestört hat-, dass konstant jemand vom Staff auf der Bühne rumstand. Der Mischer und der Guitar-Tech standen während des gesamten Konzerts deutlich sichtbar am Bühnenrand und sahen unglaublich fehl am Platz aus. Gut, der Mischer muss präsent sein, das sehe ich ein. Aber wieso musste er sein Pult unbedingt auf der Bühne aufstellen, obwohl in der Batschkapp vor der Bühne doch extra eine Bucht für die Mischer vorhanden ist? Genauso der Guitar-Tech. Wieso stand dieser während der Songs auf der Bühne? Vielleicht geht es nur mir so, aber für mich wird durch so was das Bühnenbild stark gestört. Diese Leute gehören dort nicht hin; das sind nicht die Leute, die ich während des Konzerts auf der Bühne sehen möchte. Das sind die Band und die Mädchen, niemanden sonst, der mich während des Konzerts ablenken könnte. Aber natürlich gibt es neben den ganzen negativen Punkten auch was Positives zu berichten. Die Band beispielsweise machte einen etwas präsenteren Eindruck. So hat es auf mich den Eindruck gemacht, dass alle Bandmitglieder auf der Bühne ein Stück nach vorne gerückt sind. Oder BABYMETAL nach hinten, kann ja auch sein. Auf jeden Fall war die Band deutlich näher bei den drei Mädchen und wurde so etwas mehr in das Set eingebunden. Ein deutliches Indiz dafür ist, dass die Bandmitglieder bei ihren Soli nicht mehr nach vorne kamen, sondern an ihren hinteren Plätzen blieben. Des Weiteren wurde auch an den Choreos der Mädchen hier und da gefeilt. Zwar nichts Grundlegendes, aber wer die Mädchen schon öfter gesehen hat, wird sich über leichte Änderungen der Bewegungsabläufe und Mimik gefreut haben.

Nach der Enttäuschung vom nicht gespielten „Awadama Fever“, gab es dann am Ende des Konzerts doch noch eine kleine Überraschung, als die Mädels ihre Deutschkenntnisse unter Beweis stellten: „Ihr macht mich happy!“ „Schön euch zu sehen!“ „Danke fürs Kommen. Passt auf euch auf!“. Besonders beim gesprochenen letzten Satz von Su-Metal konnte zumindest ich mich nur noch schwer zusammenreißen, so zuckersüß wie Su dies gesagt hat! Mit gemischten Gefühlen ging es also aus der Batschkapp, einerseits geflasht von den feinen Änderungen der Show und den Erlebnissen des Tages und andererseits etwas enttäuscht vom fehlenden „Awadama Fever“ und des schlechten Sounds und Merchandises. Letzten Endes ist dann doch fast jeder fündig geworden am Merchandise-Stand, also kann von einem totalen Misserfolg nicht die Rede sein. Beim Rausgehen aus der Halle fiel uns dann auf, dass doch relativ viele Leute das Konzert besucht hatten. Der Parkplatz war unter anderem randvoll geparkt, also scheint der Großteil der Leute ja tatsächlich erst Last Minute gekommen zu sein. Nach dem Konzert hieß es leider auch erst mal Abschied nehmen von einigen Personen, die nicht weiter nach Berlin fahren konnten. Aber wie sagt man für gewöhnlich, nach dem Spiel ist vor dem Spiel! Also, wir sehen uns dann hoffentlich in Wembley wieder, ich freue mich drauf! Vivian drückte mir noch die übrig gebliebenen BABYMETAL-Moneys in die Hand, um den Flashmob in Berlin am nächsten Tag zu organisieren. Mit dem Geld im Gepäck und der Erkenntnis, dass jeder gerne so eine coole Mom wie Vivian hätte, ging es also 500 km weiter nach Berlin. Natürlich nicht, bevor wir noch einen kleinen Stopp vorher bei einer berühmten Fast-Food-Kette einlegten. Was sein muss, muss sein.

Erster in Berlin und eine interessante Warteschlange

Die Fahrt nach Berlin verlief unterdessen ohne große Probleme. Bis auf einen kleinen Herzinfarkt den ich zwischendurch bekam, weil ich dachte, ich hätte den Moa-Beutel, gefüllt mit Merchandise, auf dem Rastplatz vergessen, was sich zum Glück nicht bewahrheitete. Somit waren wir dann auch die ersten, die um 4 Uhr morgens vor dem Huxleys in Berlin ihre Wurzeln schlugen. Dieses Mal sogar ohne verrückten Beer-san, der vor den Türen pennt. Nachdem wir ein wenig um die Häuser gezogen sind, die Umgebung erkunden, nutzte ich die Gelegenheit und konnte sage und schreibe zwei Stunden im Auto schlafen. Als ich wieder aufwachte, waren drei weitere Personen hinzugekommen: Mein Kollege Oskar, erneut Giovanni und Freund. Wieder passierte eine Zeit lang nichts, relativ zeitig jedoch hat sich die Japaner-Gruppe auch vor dem Huxleys eingefunden. Diese hatten sich nämlich abgesprochen und sind allesamt morgens mit dem Flieger rüber nach Berlin geflogen. Mitsamt Koffern machten sie es sich also vor der Halle bequem, einchecken wollten sie nämlich erst nachmittags. Inzwischen kannte man sich ja und konnte sich relativ gut miteinander unterhalten, so war der Morgen zumindest nicht ganz so langweilig wie der in Frankfurt.

Relativ früh begann ich, das restliche Geld an die Konzertbesucher zu verteilen. Viel war nämlich nicht mehr übrig von Frankfurt und wenigstens die Leute in den vorderen Reihen sollten etwas bekommen. Erneut stellte sich ein familiäres Gefühl ein, die meisten Leute hatte man ja erst einen Tag zuvor in Frankfurt gesehen. Diesmal allerdings war die Frage brandaktuell, ob man noch weiter nach Reading oder Leeds reisen würde, um BABYMETAL dort auf der ganz großen Bühne zu sehen. Viele Leute (vor allem aber die Japaner) meinten, dass sie die beiden Shows noch mitnehmen, ich und meine Fahrgemeinschaft allerdings mussten diese Frage leider verneinen, dafür fehlten dann doch das nötige Kleingeld und die Lust. Wo es in Frankfurt doch ein relativ weiter Weg war, um zur nächsten Toilette zu kommen, gab es in Berlin zum Glück gleich zwei nahe Möglichkeiten, sowie ein großes Einkaufszentrum in der Nähe, bei welchem man sich während des kompletten Tages selbst versorgen konnte. So war das Warten auf das Konzert um einiges angenehmer als in Frankfurt und die Vorfreude auf das Konzert wesentlich größer. Vor allem aber die Vorfreude auf eventuell besseren Sound. Außerdem glaubten einige Fans immer noch an ein Wunder, dass nun bei diesem Konzert „Awadama Fever“ gespielt werden würde. Spoiler: Die Hoffnungen erfüllten sich leider nicht.

Mit der Zeit traf auch der allseits beliebte Beer-san wieder ein und bereicherte uns weiterhin mit seinen witzigen Sprüchen und viel zu krassen One-Linern. Anfangs hatten wir noch die Befürchtung, dass die Japaner wieder so stark in der Überzahl sein werden. Relativ schnell jedoch wuchs die Menge an und das Verhältnis der Nationalitäten war dieses Mal deutlich ausgeglichener. Generell waren mehr Leute anwesend und dies auch früher, so dass wir keine Bedenken hatten, dass die Show schlecht besucht sein würde. Im Gegenteil, wir machten uns sogar Sorgen, dass die Halle zu voll wird. Bei der Hitze, in der wir anstehen mussten, wäre bei so einer Menschenmasse eine nicht funktionierende Klimaanlage fatal gewesen. Natürlich hatte ich auch in Berlin wieder eine Art Tiefpunkt, bei welchem ich absolut keine Lust auf niemanden habe und einfach nur nach Hause vor die Glotze oder so möchte, was Spannenderes machen, als den ganzen Tag blöd rumzustehen. Dank des nahen Einkaufszentrums und den sehr zuvorkommenden Fans war dieser Tiefpunkt allerdings deutlich angenehmer als in Frankfurt und ruck, zuck ging die Zeit bis zum Einlass rum. Zwischendurch kam auch Dana noch einmal bei den Fans vorbei, schien aber nicht ganz so kommunikativ wie in Frankfurt gewesen zu sein. Für sie ist das ja ihr Job, und der ist sicherlich auch stressig, also absolut verständlich.

Mit wachsender Warteschlange wurde auch immer ersichtlicher, welches Publikum sich für Berlin eingefunden hatte: Während ich in Frankfurt noch das Gefühl hatte, dass alle Besucher zumindest halbwegs mit der Band vertraut sind, waren in Berlin viel mehr Fans anwesend, die einfach mal so reinschauen wollten. In der Warteschlange wurden wir auch viel von Passanten angesprochen, die sich wunderten, was denn im Huxleys los sei, dass sich so viele Fans bereits mittags vor der Halle einfinden. Das ist uns in Frankfurt nicht ein einziges Mal passiert. Die Halle lag aber auch nicht inmitten einer Einkaufsstraße, von daher… Lustiger Fakt: Das Huxleys liegt direkt neben einem Casino, dessen Eingangsbereich überquert werden muss um in die Halle zu kommen. Das Casino öffnete vor dem Huxleys und der Wärter sah aus, als wollte er uns alle rein bitten. Als er begriff, dass wir nicht fürs Casino sondern für BABYMETAL anstehen, sah er doch ziemlich enttäuscht aus.

Nachdem ich mir ein kleines Mittagessen, in Form von Backwaren und Süßkram, bei Aldi nebenan geholt hatte, bestand der Rest des Mittags eigentlich bloß daraus, Passanten darüber aufzuklären, was denn diesen Abend im Huxleys los sei. Diese Passanten waren mal mehr und mal weniger geistig bei Sinnen, eines hatten sie aber alle gemeinsam: Beim Kartenpreis von knapp 40 Euro waren alle gleichermaßen abgeschreckt. Verständlich, wenn man nicht ganz in der Materie drin ist und weiß, dass Japano-Konzerte generell teurer sind. Gegen Abend war ich dann eher etwas abgelenkt, ich hatte nach einer Arbeitskollegin Ausschau gehalten, die das Konzert auch besuchte. Als ich sie dann letzten Endes ausmachen konnte ist sie doch tatsächlich an mir vorbeigelaufen. Zumindest konnte ich mich so knapp eine Stunde ablenken von dem irischen Kollegen direkt neben mir in der Schlange, der die Songs mal wieder mitsingen musste. Dieser war ganz zufällig genau derselbe, der mir mit seinem Gesang in London auch schon auf die Nerven gegangen ist. Im anderen Bericht hab ich mich ja schon genug über ihn ausgelassen und dieses Mal war er zum Glück nicht ganz so aufdringlich, also war es zumindest aushaltbar.

Einlass ins Huxleys und Beginn des Berlin-Konzerts

Pünktlich um 18:30 Uhr war es soweit und der Einlass der VIPs hat begonnen, zu diesen ich bei diesem Konzert leider nicht gehörte. Die Japaner haben sich wieder alle Mühe gegeben und die Tickets durchnummeriert, so verlief der Einlass auch hier wieder sehr geordnet ab. Der irische Kollege hatte Glück, durch einen Fehler der Organisatoren und der Security wurde er noch als letzter der VIP-Schlange gezählt, obwohl er eigentlich Erster der normalen Schlange gewesen wäre. Einen besseren Platz konnte er so zwar nicht ergattern, aber er hat sich sichtlich über das Fotobuch und den VIP-Pass gefreut. Man muss auch mal Glück haben.

Ich hab meine Begleitung, die ja ein VIP-Ticket hatte, gebeten, mir eine Wegbeschreibung zu senden, damit ich auch ja schnell die Halle und den bestmöglichen Platz finde, wenn ich schon „nur“ ein normales Ticket habe. Und noch im selben Moment, als die Beschreibung kam, freute ich mich. Auf dieser hatte er nämlich angegeben, dass man die Treppe hoch müsse, da die Bühne im ersten Stock liegt. Kurz danach war es schon soweit und die restlichen Besucher wurden auch rein gelassen. Und tatsächlich, um zur Bühne zu gelangen, musste man ins erste Stockwerk. Für mich war das etwas Besonderes, das erste Konzert, das nicht im „Erdgeschoss“, sondern ein Stockwerk höher stattfindet. Und ich hab schon einige Konzerte mitgemacht, also ist dies wirklich etwas Besonderes. Und nicht nur das, die Halle an sich ist ebenfalls sehr schön. Das Huxleys befindet sich nämlich in einem Berliner Altbau und der Stuck an den Wänden und die hohe Decke haben bei mir schon fast Brixton-Feeling hervorgerufen.

Das Merchandise ist im Vergleich zu Frankfurt reduziert worden, ich habe es trotzdem links liegen gelassen, schließlich bin ich in Frankfurt schon fündig geworden. Und wo bin ich letzten Endes gelandet? Direkt hinter meiner Begleitung, welche als aller Erstes rein durfte mit der Nummer 1 auf ihrem VIP-Ticket. Vom Kollegen erfuhr ich dann auch, dass die Security den Besuchern die kleinen Sakura Gakuin-Fähnchen und jegliche Art von großen Flaggen abgenommen hat. Am Ende konnten diese die Flaggen zwar wieder abholen, aber die Begründung, dass die Band die Fahnen nicht wollte, hört sich trotzdem immer noch ziemlich schleierhaft an. Leider sollte sich im Verlauf des Abends noch herausstellen, dass die Security generell sehr unfreundlich zu den Besuchern war. 2-3 Leute fragten mich, wie ich das angestellt habe, trotz fehlenden VIP-Tickets so einen guten Platz zu bekommen. Ich sagte bloß, dass ich einfach nur Glück hatte. Aber wir waren erneut als Erstes an der Halle und ich habe den Geldregen organisiert. Da räume ich mir auch das Recht auf einen guten Platz ein *g*. Die Show startete und sofort fiel einem nur Positives auf: Der Guitar-Tech war gar nicht auf der Bühne und den Mischer hatte man etwas versteckt. Spätestens beim zweiten Song „Ii ne“ hörte man auch, dass der Sound deutlich besser, als in Frankfurt war. Nach dem Konzert habe ich zwar immer noch Beschwerden gehört, dass der Sound weiter hinten schrecklich gewesen sein soll, in den ersten Paar Reihen allerdings war es eine deutliche Verbesserung, im Vergleich zu Frankfurt. Bei diesem Song konnte man dann auch eine seltene Rarität hören, einer der Gitarristen hat sich verspielt. Tja, absolut unprofessionell eben… (Das war natürlich nur ein Scherz :-) ) Relativ früh war es schon wieder Zeit für den Geldregen bei „Onedari Daisakusen“. Dieser war nicht annähernd so schön wie in Frankfurt, da ja auch nicht mal halb so viele Scheine im Umlauf waren. Aber zumindest hatten die vordersten Reihen etwas und ich habe meiner Meinung nach das Beste draus gemacht, also bin ich zufrieden damit. Der bessere Ton machte sich auch später noch bemerkbar: Durch diesen konnte man nämlich raushören, dass das Intro von „Ijime, Dame, Zettai“ neu aufgenommen zu worden scheint, mit besser gesprochenem Englisch. Dies sind wieder so kleine Nouancen, die die Tour doch zu etwas Besonderem gemacht haben. Durch die größere Bühne hatten die Mädchen außerdem mehr Platz sich zu bewegen, was ja vor allem bei diesem Song eine größere Rolle spielt.

Mit dem Fortschreiten der Show wurde leider auch klar, wie grob die Security mit den Fans umgegangen ist. Nicht nur griff diese besonders oft nach den Handys der Zuschauern, die etwas aufgenommen haben, sondern schubsten die Crowdsurfer förmlich aus der Grube heraus. Ein Fan von Handyaufnahmen bin ich ja bekanntlich nicht und Crowdsurfer haben sich nicht lange in der Grube aufzuhalten, aber respektlos mit den Zuschauern umzugehen, gehört sich noch weniger. Ein bekanntes Problem der Halle ist die Beleuchtung. So war es auch bei dieser Show leider so, dass es an einigen Stellen eine starke Überbelichtung gab und man auf der Bühne teilweise nichts mehr erkennen konnte. Vor allem weiße Beleuchtung auf die weißen Umhänge der Kami-Band, das hat besonders in den Augen gestochen. Gegen Ende drehten die Fans noch einmal so richtig auf und die Crowdsurfer flogen über unsere Köpfe. Ich hab mich gefreut, doch noch mehr Action als in Frankfurt zu sehen. Obwohl ich selbst großer Fan vom Crowdsurfen bin, hab ich diesen einen Crowdsurfer am Ende gehasst, der mir so heftig einen mitgegeben hat, dass mir kurz schwarz vor Augen wurde und ich das Ende von „Road of Resistance“ verpasst habe.

Tja, ich denke das schreit nach einer Wiederholung, um das verpasste Ende nachzuholen. In Wembley dann. Viel zu viele Leute stürmten nach Ende des Konzerts gleichzeitig nach draußen, sodass es im Endeffekt doch wieder Ewigkeiten dauerte, bis man wieder draußen war und sein Fähnchen abgeholt hat. In der Zwischenzeit ist es nämlich doch ziemlich warm in der Halle geworden. Zum Glück war diese aber, ebenso wie die Batschkapp, ausreichend klimatisiert und ein derartiges Malheur, wie letztes Jahr in Köln, blieb uns also erspart.

Die letzten Abschiede und Wiedersehen in Wembley

Leider hieß es mit Ende des Konzerts auch Abschied von den restlichen Kollegen nehmen, welcher doch relativ emotional war. Kenji, Beer-san und Konsorten sind noch weiter Richtung Reading und Leeds gezogen, für uns ging es wieder zurück nach Hause. Nach vielen Abschiedsumarmungen und weiteren Fotos von unserem Auto (welches inzwischen berühmt geworden ist durch die BABYMETAL-Sticker an der Heckscheibe und den Türen), hab ich dann meine Arbeitskollegin treffen können, mit der ich mich dann noch etwas unterhalten habe. Letzten Endes haben wir uns alle fest versprochen, uns in Wembley wiederzusehen. Ich freue mich schon, alle wiederzusehen und auf Beer-sans witzige Sprüche. Also dann, wir sehen uns auf dem nächsten „Familientreffen“ im April 2016! Für Fugo hoffentlich der beste Geburtstag seines Lebens ;)

Setlist Frankfurt und Berlin:

  1. Babymetal Death
  2. Iine!
  3. Uki Uki ★ Midnight
  4. Kami Band Performance
  5. Akumu no Rondo
  6. Onedari Dai Sakusen
  7. Catch Me If You Can (With Kami Band Instrumentals)
  8. Akatsuki
  9. 4no Uta
  10. Megitsune
  11. Doki Doki☆Morning
  12. Gimme Chocolate!!
  13. Ijime, Dame, Zettai

Encore:

  1. Headbanger!!
  2. Road of Resistance

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Tarumo

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Ich war ebenfalls bei beiden Konzerten zugegen, bin aber bei beiden fast zu spät gekommen (Arbeit bzw. verspätete Bahn-Anreise…), so dass ich nur wenig von den Aktivitäten in der Schlange mitbekommen habe. Dein Auto ist auf jeden Fall bei beiden Locations sehr gut angekommen! Ich bin zwar mehr ein Freund von kleinen Hallen, aber vielleicht trifft man sich dann doch in Wembley.
Und nochmal vielen Dank, dass Du das Geld von Vivi transportiert hast! Ich habe einen (kleinen) Teil dazu beigetragen und mich sehr gefreut, dass es auch in Berlin „geregnet“ hat. :)

Maik

Der Ton in FFM war wirklich schrecklich. Und da muss ich klar sagen, dass ich den Eintrittspreis dafür einfach zu hoch finde. Abschließend habe ich das Fazit gezogen, dass die beiden Konzerte nur dazu da waren, mal fix Geld abzugreifen und mehr nicht. Wembley klingt zwar interessant, jedoch denke ich, das es davon auf jeden Fall eine Bluray geben wird. Das reicht mir dann aus. Ich habe ja noch andere Hobbys. :)

Maggot-ninja

Klasse Bericht, Daumen hoch :) Der Sound in Frankfurt war wirklich eine Katastrophe, freut mich das es in Berlin besser wurde. Wäre auch gern in Berlin dabei gewesen, leider hat es nicht geklappt, vielleicht klappt es in Wembley, falls ich ne Begleitung organisieren kann.