Babymetal Live In London: Der Konzertbericht

8. November 2014: Babymetal live in der O2-Academy in London

von Ricardo Dietrich

Am letzten Samstag, dem 8. November 2014 durfte ich Zeuge eines Spektakels werden, wie ich es selbst noch nie erlebt habe. Nachdem ich Babymetal im Juli dieses Jahres im Rahmen ihrer World Tour 2014 bereits in Köln live erleben durfte, lies ich es mir nicht nehmen, sie noch ein zweites Mal zu sehen. Dieses Mal allerdings in London. Getreu dem Motto „Who Is Ready For Round 2?“ habe ich also meine Sachen gepackt und mich am Freitag Mittag ins Flugzeug gesetzt und bin zum allerersten Mal nach London geflogen, um Babymetal das zweite Mal zu sehen. Den Abend vor dem Konzert haben sich noch ein paar Babymetal Germany-Mitglieder getroffen, um in einem gemütlichen Pub schon einmal auf das morgige Konzert anzustoßen. Wir waren zwar nicht ganz so viele Personen, wie beim Fantreffen in Köln, allerdings war es ziemlich stark, einige alte Gesichter wiederzusehen und sogar ein paar neue Leute kennenzulernen! Mir persönlich hat es riesigen Spaß gemacht und das Treffen hat wesentlich dazu beigetragen, das lange Warten auf das Konzert erträglich zu machen. Gegen 23:30 Uhr hat sich die Gruppe dann getrennt und nach zwei erfrischenden Ales haben sich alle Personen auf den Weg in ihr Hotel gemacht. Ich für meinen Teil, habe mich mit einem netten Franzosen auf den Weg zum nahegelegenen Fast-Food-Restaurant gemacht. Schließlich hatten wir uns ja vorher abgesprochen, uns dort für die Nacht niederzulassen, ein Hotel hatten wir beide nämlich nicht gebucht… Blöd gelaufen, aber wie sagt man auf gut Deutsch: „Da machste nix!“ Die Nacht verlief dementsprechend weniger gemütlich, ich habe sage und schreibe 15 Minuten dösen können und die Blicke der Mitarbeiter wurden mit der Zeit immer schärfer. Der Anblick, mit dem wir am Morgen allerdings entlohnt wurden, lies uns für einen kurzen Moment alle Sorgen vergessen: Ein schöner, roter Sonnenaufgang über Brixtons Dächern. In diesem Moment wurde mir plötzlich ein wenig bewusst: „Heute ist der große Tag!“ Also noch schnell einen großen Kaffee geholt und gegen 8 Uhr morgens auf zur nahgelegenen O2 Academy Brixton!

Die Warteschlange: Schlechte Security, nervige Fans und 10 Stunden warten

Entgegen unserer Vermutung trafen wir um 8 Uhr morgens allerdings erst ziemlich wenige Fans an. Wir waren an die elf bis zwölf Personen, so war meine Begleitung Nummer 5 in der durchnummerierten Warteschlange und ich Nummer 6. So verbrachten wir in einer gemütlichen, kleinen Gruppe knapp zwei Stunden vor den Türen der Halle mit passender Musik und angeregten Diskussionen, während sich immer mehr Personen dazugesellten. Wie auch schon in Köln, wurde ich erneut von der Varieté der Fans überrascht. Vom J-Pop-Fan, über den Punker und den Metalhead, bis zum Anime-Fan hatten sich wieder alle möglichen Arten von Leuten eingefunden. Überraschenderweise war die Mehrheit der Fans allerdings ein wenig unauffälliger und nicht so schrill, wie es in Köln der Fall war – dafür aber um einiges internationaler! So habe ich bei diesem Konzert zum Beispiel Franzosen kennengelernt, Niederländer, Schweden, zum erneuten Mal Japaner und zu meiner Überraschung sogar einen netten Kollegen aus meiner Heimatstadt. O2-AcademyMaestro, fühl dich an der Stelle gegrüßt, die Welt ist nun mal ein Dorf ;)… (ein riesiges Danke schön an dieser Stelle an den netten japanischen Promoter der Idol-Band „Hime Kyun Fruit Can“, welcher Gratis-CDs in der Schlange verteilt hat. Ich denke, ich spreche hier für fast alle, denn auch ich war sehr positiv überrascht beim Reinhören, wie gut die Band ist!) Gegen 10:30 Uhr allerdings passierte etwas weniger Erfreuliches. So wurden wir um diese Uhrzeit schon, für meinen Geschmack verdammt früh, in die Seitenstraße neben der Halle in die Absperrungen gepfercht, um eine Schlange zu bilden. Und das, obwohl wir mit knapp 30 Mann noch ziemlich überschaubar waren. Während wir vor der Halle zumindest noch auf Treppenstufen sitzen konnten, hieß es nun, knapp acht Stunden stehen… oder auf dem Gehweg sitzen. Meiner Meinung nach waren beide Optionen nicht wirklich attraktiv. Genauer betrachtet wurden wir sogar in zwei Schlangen nebeneinander aufgeteilt (auf einem einzigen, schmalen Gehweg wohlgemerkt, Platzmangel vorprogrammiert!), eine „normale“ Schlange und eine „O2 Priority Entrance“-Schlange. An dieser Stelle wurde ich ein wenig sauer. Ich frage mich ernsthaft, wie es sein kann, dass man als Besitzer eines Standard-Tickets den absoluten Nachteil hat und dieser Schlange in Wirklichkeit als letzte der Einlass gewährt wird. Ich gehe mal nicht weiter darauf ein, dass man als Nicht-Brite gar nicht die Möglichkeit hat, diese Art von Priority-Ticket zu erwerben. Mit dem früheren Einlass der VIPs konnte ich mich abfinden, die Priority-Schlange allerdings war einfach nur unfair gegenüber allen Besuchern, die extra für das Konzert aus dem Ausland angereist sind. Lebensmittel hatte ich zu genüge dabei, so blieb ich tatsächlich die gesamten acht Stunden in der Schlange stehen und hatte bis auf eine kleine Pinkelpause nicht wirklich viel Abwechslung an diesem langwierigen Mittag, außer den taktischen, stündlichen Wechsel zwischen stehen und auf dem Boden sitzen. Meine Laune verschlechterte sich, als meine Begleitung zum Box Office gerufen wurde, um sein Ticket abzuholen und das Gesinge und Getanze in der Schlange neben mir einfach nicht aufhören wollte. Babymetal-Fan sein und die Lyrics können ist eine Sache. Die andere Sache ist, dieselben 15 Songs auf seinem Handy in Dauerschleife abzuspielen und dazu dauerhaft zu tanzen und immer wieder gleich schlecht zu singen. Bei aller Liebe zu Babymetal, aber sich die Songs vor dem Konzert leid zu hören muss auch nicht sein, das raubt einfach ein wenig die Spannung vor der Show. Mein Kumpel ist vom Box Office bis kurz vor Einlass übrigens nicht mehr aufgetaucht, so stand ich fast vier Stunden komplett ohne Gesprächspartner in der Schlange, da auch jeder irgendwie mit sich selbst und seinen Leuten beschäftigt war. Komischerweise haben immer mehr Leute die normale Schlange mit der Zeit verlassen, so bin ich um die zehn Plätze nach vorne gerückt und stand irgendwann an erster Stelle in dieser und hatte zum ersten Mal das etwas aufmunternde Gefühl, dass sich das frühe Erscheinen doch gelohnt hat. Gegen 17:30 Uhr, eine Stunde vor geplantem Einlass, ist meine Laune dann komplett ins Wasser gefallen. Es hat plötzlich angefangen zu gewittern und wir standen alle im strömenden Regen. Ich konnte, zusammen mit einigen anderen Fans, zwar ein wenig Schutz unter dem Regenschirm einer netten japanischen Dame finden, allerdings waren meine Klamotten trotzdem komplett bis in das Innenleben durchnässt. Der Einlass sollte auf 18 Uhr vorverlegt werden und ich wurde immer wütender auf die Security, welche diese und selbst die eigentliche Zeit, 18:30 Uhr, nicht einhalten konnten. Die Leute in der Schlange neben mir waren kreidebleich und haben schlimm gezittert, einige haben sogar ihre Pullis weggeworfen, da diese so ekelhaft durchnässt waren, dass man diese nicht der MoaMetalGarderobe zumuten konnte. Nichtsdestotrotz war es der sichtlich überforderten Security wohl doch wichtiger, den letzten Nachzüglern zu erklären, wo man sich in der Schlange einzureihen hatte. Dass die Security selbst erst ziemlich spät begriff, dass sich die Schlange inzwischen einmal um den gesamten Block gereiht hatte, verspätete den Einlass natürlich und wir standen eine weitere viertel Stunde im eiskalten Regen. Auf der Facebook-Seite der Academy wurde der Fehler inzwischen zumindest eingeräumt – den Fans, die dadurch entweder später in die Schlange gekommen sind oder länger im Regen standen bringt das allerdings herzlich wenig. Um 18:45 Uhr allerdings war es dann endlich soweit, die Türen haben sich geöffnet und der Kampf um die vordersten Plätze ging los. Bei der Kälte und dem Regen hat die Priority-Schlange allerdings nicht sehr lange gehalten. Nachdem ungefähr 20 Leute aus dieser Reihe rein gelassen wurden, ist auch die normale Schlange einfach durchgebrochen und hat sich die Schikane nicht länger gefallen lassen, verständlich, bei diesen Wetterbedingungen. Sonst lief alles ein wenig geordneter als in Köln ab, die Leute sind alle gesittet und in Ruhe zur Halle gelaufen und nicht wie die verrückten losgesprintet, wie in Köln. Nachdem ich meine Sachen bei der Garderobe abgegeben hatte, machte auch ich mich auf den Weg zur Halle und konnte einen akzeptablen Platz in der vierten Reihe, direkt neben VIPs ergattern. Der VIP-Bonus scheint generell nicht so befriedigend wie der in New York ausgefallen zu sein. Die Pässe waren ein wenig langweiliger gestaltet und statt dem unterschriebenen Booklet gab es lediglich ein schwarzes T-Shirt mit kleinem Babymetal-Logo auf Brusthöhe und ohne Rückenprint. Der verfrühte Einlass von 15 Minuten scheint auch nicht unbedingt viel gebracht zu haben, wenn die VIPs trotzdem auf meiner Höhe gelandet sind. Als ich mich kurz darauf in der Halle umsah, stockte mir kurz der Atem… Die Halle war einfach atemberaubend! Die Bühne hatte eine herrlich hohe Aufhängung und der Stuck an der Decke lässt die Academy besonders ästhetisch wirken. Der sich nach hinten anhebende Boden und der schöne Balkon für die Sitzplätze runden das Gesamtbild ab. „Wie in einem Traum“, diese Aussage beschreibt meinen Gedanken in diesem Moment und die Academy wahrscheinlich am besten. Man könnte sie auch ein wenig mit einem Kolosseum vergleichen, außen so wie innen ästhetisch, rund und schön. Nun hieß es also knapp 90 Minuten warten bis zur Showtime. Diese ließen sich zum Glück mit Leichtigkeit wegstecken, die Halle hätte ich mir einfach ewig anschauen können und ich bin in ein nettes Gespräch mit einigen Leuten gekommen und habe sogar neue Freundschaften knüpfen können. Die 90 Minuten vergingen wie im Fluge, währenddessen ist mir allerdings bereits ein großes Problem aufgefallen, mit welchem ich später noch hart zu kämpfen haben werde: Smartphones… Schon vor dem Konzert habe ich unglaublich viele Menschen mit so einem Ding in der Hand gesehen, gar nicht zu sprechen von der Show selbst, bei welcher ich MINDESTENS zehn der kleinen Teufel in meinem Blickfeld hatte, als das Intro abspielte. Auffällig war, dass viel Dragonforce während der Wartezeit gespielt wurde. Jeder, der auch nur ein wenig im Metalgenre unterwandert ist, wird „Through The Fire And Flames“ von besagter Band kennen, dementsprechend laut und viel wurde bei diesem Song auch mitgegröhlt in der Halle… und das, bevor das Konzert überhaupt erst mal losging, großartig! Dann, um 20:15 Uhr wurde es dunkel und ich wusste, dass sich meine Wartezeit von über zwölf!!! Stunden endlich bezahlt machen würde. Aller Ärger und alle Sorgen dieses Tages waren mit einem Schlag vergessen denn, Babymetal starteten ihre Show…

Babymetal starten ihre Show!

Das allseits bekannte Intro der World Tour startete und alle starrten wie gespannt auf den Bildschirm. Alles, was es brauchte, war ein Spruch: „All Metal roads lead to the UK“ und das Publikum flippte aus. Wer Babymetal kennt, weiß, wie es abläuft. Die Kami-Band startet ihr Intro und nach einem kurzen Instrumental fällt endlich der Vorhang und man hat Babymetal live vor sich stehen. Nur dieses Mal ohne Vorhang und mit Feuerwerk, während die Mädchen langsam über einen Lift die Bühne heraufgefahren wurden, großartige Inszenierung! Die Fans sind komplett ausgerastet in jenem Moment, als sich die Mädchen blicken ließen und ehe ich mich versah, war ich auch schon im Mosh’sh Pit. Mein ach so guter Platz in der vierten Reihe hat also für knapp eine Minute gehalten, interessant. Aus dem Gewusel konnte ich irgendwie wieder rausfinden, jedoch war es mir nicht möglich, einen festen Platz zu behalten. Alles war in Bewegung und ich habe das gesamte Konzert mal von links, mal von rechts, mal von ganz vorne und mal von weiter hinten betrachten dürfen. Die gesamte Halle hat gebebt und war in Bewegung! Mir viel direkt beim ersten Song jedoch direkt auf, dass was nicht stimmt: Ich sah das Konzert nicht live, sondern durch einen kleinen Bildschirm… London scheint die Fähigkeit zu YuiMetalhaben, ihre Fancams genau so bescheuert zu platzieren, dass sie damit jegliche Sicht blocken. Und ich rede hier nicht von einer Fancam, sondern von vielen! Ich möchte nicht pingelig sein, aber für mich gab es teilweise absolut null Chance, an dem kleinen Gerät vorbeizuschauen, so sehr ich es auch versuchte. Die ersten Reihen vor der Bühne waren einfach ZU! Sie waren zu, man konnte sich nicht nach vorne, nach hinten, nach links oder nach rechts bewegen. Es war so gequetscht und so voll, Bewegungsfreiheit gab es keine, und in dieser bescheuerten Situation meinen Leute, trotzdem noch filmen zu müssen? Selbst wenn ich es wollte, ich hätte nicht an den Smartphones vorbeischauen können, und in diesem Moment kann ich nicht anders, als solche Leute als rücksichtslos zu bezeichnen. Ja, die Briten sind rücksichtslos auf Konzerten. Es wurde rücksichtslos gefilmt, im Mosh Pit hat man sich relativ rücksichtslos verhalten und einige Leute haben sich einfach ihren Weg nach vorne geboxt, wie es ihnen gerade gepasst hat. Das Konzert an sich jedoch war spektakulär, die Mädchen waren in Topform und haben extrem glücklich auf der Bühne ausgesehen, der Sound vor der Bühne war perfekt abgemischt, oben hat es sich etwas schlechter angehört als unten, aufgrund der Akustik, aber immerhin, die Bilanz bleibt gut, und die Halle ist atemberaubend. Das rücksichtslose Verhalten der britischen Fans hat die ganze Freude in diesem Moment jedoch stark gedämpft und an dieser Stelle möchte ich einen persönlichen, subjektiven Appell aussprechen: Leute, lasst die sch*** Handys unten! Wenn man nicht gerade mit einer HD-Kamera aufnimmt, sind die Fancam-Aufnahmen in 90% aller Fälle einfach nur für die Tonne und oftmals löscht man die Videos nachher oder nimmt erst gar keine vollen Songs auf. Also: Filmt GANZE Songs mit einer RICHTIGEN Kamera mit ORDENTLICHER Qualität und behindert niemanden, oder lasst es bleiben! Ihr löscht die Videos später eh und behindert bloß die Zuschauer, keinem ist also damit geholfen und der Band gegenüber ist es auch noch respektlos. Ich bezweifle zwar, dass sich das Problem irgendwie lösen wird, aber es hat mich auf dieser Show einfach extrem gefrustet, wie rücksichtslos und schlecht gefilmt wurde. Wieso läuft das in Japan so viel gesitteter? Wieso hat da keiner eine Kamera oben und kann deshalb die Show genießen, anstatt sich und alle anderen zu behindern? Vielleicht wissen die meisten ja auch gar nicht, dass Bands es eher als schlechtes Zeichen werten, wenn ihnen die meisten nicht zusehen, sondern nur auf ihr Handy starren… sollte man mal drüber nachdenken.

Das Ende von METAL RESISTANCE PART 2

Die Band spielte ihre ganz gewohnte Setlist und bis auf die extrem angespannte Atmosphäre und die unglaubliche Energie der Fans, die jeden Crowdchant perfekt verinnerlicht hatte, lies sich sonst nichts Sonderbares feststellen. Jeder hat einfach die Su-MetalShow und den unglaublichen Flair genossen, denn so eine laute Fanbase erlebt man nicht alle Tage, das war auf jeden Fall beeindruckend! Als die Band „Catch Me If You Can“ einleitete, hatte die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht und ein Crowdsurfer nach dem nächsten Flog über meinen Kopf. Verständlich, wo London doch die Hochburg des London Drum’n’Bass ist, von welchem sich definitiv auch viele Elemente in besagtem Song finden lassen. Bei „4 no Uta“ habe ich es zum ersten Mal erlebt, dass das Publikum einen gesamten Song mitgesungen hat und der tosende Applaus nach jedem Song war einfach unglaublich. Bei „Akatsuki“ allerdings hielten fast alle einen Moment inne. Um mich herum hatte sich eine kleine Traube von Fans gebildet, welche allesamt ihre rechte Hand auf dem Herzen hatten und den Text mit einem traurigen Gesicht mitsangen. Dieser emotionale Flow hat mich natürlich auch gepackt und so endete dieser emotionale Song mit einer Gänsehaut und einem dicken Kloß im Hals. Als „Gimme Choco“ angespielt wurde, ging es noch einmal richtig ab, denn jeder weiß, dass dies Babymetals letzter Song der normalen Setlist ist. Die darauffolgende Prozedur ist so ziemlich jedem Fan bekannt, das „We are BABYMETAL!“ und das obligatorische „SEE YOU“ der Fans ertönte um einiges lauter in den Ohren, als in Köln und die Band huschte von der Bühne. Natürlich lassen Babymetal es sich nicht nehmen, noch eine Zugabe zu geben und huschten auch schon nach nur ein paar Sekunden zurück auf die Bühne. Der nächste Song der Zugabe war „Ijime Dame Zettai“, welcher mit gleich zwei Wall of Deaths startete, die fast zwei Minuten zum Entknoten gebraucht haben und von denen ich eine anführen durfte. Richtige Babymetal-Fans hatten in diesem Moment natürlich schon längst begriffen, was Sache ist… Headbanger würde der letzte fehlende Song sein, um das gespielte Album auf dem Konzert zu komplettieren und wer Babymetal kennt weiß, welche Prozedur dies bedeutet. Während nach dem Abschluss von „IDZ“ die breite Masse in der Halle wild nach „HEADBANGER!“ schrie, leuchtete der Bildschirm auf und wir durften eine kleine Cutscene bestaunen: Das Ende von METAL RESISTANCE PART 2 wurde in dieser angekündigt, so wie es vorher auch schon erwartet wurde. Die Mythologie um den Fuchsgott wird insofern weitergeführt, dass sich die folgende Saga ab jetzt mit der Mutter des Fuchsgottes beschäftigen wird. Der Bildschirm erlosch daraufhin und das Intro von „Headbanger“ ertönte… „Noch ein Mal mosh’shen und dann ist das Konzert auch schon wieder vorbei“ dachten sich die Fans… DACHTEN WIR, denn als „Headbanger“ eigentlich zu Ende sein sollte, ein weniger bekanntes Outro einsetzte und Su sich zu einem großen Gong hochgeschliffen hatte, war jedem Fan bewusst, dass hier etwas nicht stimmte. Mit letzter Kraft schlug Su also den Gong und es war besiegelt: METAL RESISTANCE PART 2 war somit offiziell abgeschlossen. Der Bildschirm erhellte sich erneut und was danach folgte, überraschte jeden Konzertbesucher gleichermaßen…

Über THE ONE, das Smartphone-Problem und die Wechselwirkung zwischen den Fans

Gezeigt wurde eine weitere Cutscene, mit der keiner in diesem Moment gerechnet hätte. Es ging um THE ONE, uns Babymetal-Fans, welche den Geboten des Fuchsgottes folgen. THE ONE entstand mit dem Urknall und existiert seit jeher auf der Erde. THE ONE erlangte neues Wissen, auf Grund dieses Wissens ist es uns möglich, zu forschen, neue Technologien zu entwickeln und soziale Netzwerke zu benutzen. ALLERDINGS fehlt uns was Essentielles im Leben, wir sammeln nur noch Daten, anstatt richtige Erinnerungen und verlieren unsere Seele an das Smartphone. Wer sich den Clip angesehen hat, sieht dort drin natürlich sofort die Anspielung von Amuse auf die vielen Fancams. Die unterschwellige Botschaft ist also: Handys runter! Ich finde diesen Weg, den Amuse da geht, um dem Problem entgegenzuwirken, beachtenswert. Man könnte genauso gut einfach jegliche Fancams auf Youtube sperren lassen, aber stattdessen hat man sich überlegt, wie man es interessant in die Mythologie um den Fuchsgott mit einbinden könnte. Ich möchte nicht bestreiten, dass so etwas auf jeden Fall auch die DVD-Verkäufe pushen soll und was Amuses wahre Intention ist, weiß ich als Normalsterblicher leider auch nicht. Was ich allerdings weiß und vor mir sehe, ist ein klares Angebot Seitens Amuse an die Fans: „Weniger aufnehmen auf der Show und wir lassen euer Filmmaterial im Netz in Ruhe“. So sehe ich das zumindest, und wer dieses Angebot von Amuse nicht wahrnimmt, ist in meinen Augen einfach egoistisch, deshalb an dieser Stelle noch einmal mein Appell: KAMERA AUS! Ein Satz in diesem Clip allerdings hat die Stimmung in dieser Halle grundlegend verändert und für einen Überschlag der Gefühle gesorgt: „A new song has come into our possession. May all the kindred Metal Souls here sing.“ Das muss man in diesem Moment erst mal sacken lassen, die Gerüchte wurden also wahr! Sowohl das Gerücht um einen neuen Song als auch das Gerücht um die ersten Infos zu METAL RESISTANCE PART 3… Der Clip lief aus und für einen Moment lang stand alles still. Als nach ein paar Sekunden, die sich ewig anfühlten, dann die ersten Töne des neuen Songs erklangen, war allen in der Halle direkt klar: Babymetal werden in dieser Halle Bandgeschichte schreiben, einen riesen Meilenstein erreichen und endgültig den Durchbruch nach Europa schaffen. Was uns die folgenden acht Minuten visuell sowie akustisch geboten wurde war so schön, dass ich weinen musste. Ernsthaft. THE ONE ist ein genialer Song, THE ONE ist eine Hymne, THE ONE hört sich erwachsen an und passt so perfekt zu der Band. THE ONE ist Babymetals bis dato schnellster Song und man kann ihn schon fast „Powermetal“ nennen. Die Band hat sich ihre eigene Hymne für ihren Siegeszug nach Europa geschrieben. Während des Songs haben jegliche Mosh Pits gestoppt, die Leute standen still und haben der Band lediglich zugesehen und zugehört. Jeder einzelne in dieser Halle war in diesem Moment einfach nur so verdammt froh, Zeuge dieser Weltpremiere zu sein und als einer der ersten 5.000 Menschen auf dieser Welt diese Hymne hören zu dürfen. „Wooow woooow“, der fürs Crowdchanting vorgesehene Part hat so eine enorme Wirkung, von 5.000 Menschen in der Halle haben mindestens 4.900 mitgesungen. In diesem Moment waren alle miteinander verbunden, die Band mit uns Fans und wir Fans alle untereinander. Wir sind wortwörtlich „THE ONE“ geworden… Wie sich später herausstellte, ist dieser Song eine Collaboration zwischen Babymetal und der Powermetal-Band Dragonforce, welche die Gitarrenparts für diesen Song übernommen hat. Lustigerweise war Dragonforce auch die erste Band, die mir in den Kopf geschossen ist, als ich „THE ONE“ zum ersten Mal gehört habe. Nach dem Konzert haben Babymetal hoch und heilig versprochen, wieder zurück nach London zu kehren. Das hat London auch bitter nötig, denn dieses Konzert war der allerbeste Beweis dafür, dass die europäische Babymetal-Fanbase etwas ganz Besonderes ist. Aber ihr wisst ja, „Only the FOX GOD KNOWS!“. Wir haben zusammen mit Babymetal Bandgeschichte geschrieben. Das Wechselspiel, welches an diesem Abend zwischen Band und Fans passiert ist, wird es so kein zweites Mal geben. Alles war genauestens geplant und der Plan ist voll aufgegangen: Die Band hat uns eiskalt erwischt und die Besucher dieses Konzerts mit runtergeklappten Kinnläden zurückgelassen. Es war ein bombastischer Abschluss von Babymetals World Tour. Das Konzert war anstrengend, frustrierend und brutal… Was wir an diesem Abend allerdings gefeiert haben, war nicht ein einfaches Konzert, sondern Babymetals Siegeszug über den Europäischen Kontinent, und das, indem wir alle anderen Europa-Shows rekapituliert und systematisch in den Schatten gestellt haben, denn die magischen Momente, die wir an dem Abend in dieser Halle erleben durften, sind zumindest für uns unbezahlbar und nicht zu toppen! Das Jahr 2014 ist für Babymetal noch nicht abgeschlossen, was noch bleibt ist nämlich Sus Geburtstags-Show am 20. Dezember. Für Europa ist das Babymetal-Jahr 2014 allerdings mit einem wirklich riesigen Knall zu Ende gegangen und jetzt steht meiner Behauptung nichts mehr im Wege: Babymetal werden 2015 zurückkehren, BIGGER and BETTER. Wir werden Shows erleben, die jeglichen Rahmen unseres Vorstellungsvermögens sprengen, das verspreche ich euch! Nach diesem grandiosen Konzert ist ALLES möglich! Also, „SEE YOU IN METAL RESISTANCE EPISODE 3 2015!“

„We are all here.
Babymetal is here.
It is your destiny.
All of us here will become one.
We will become THE ONE“

Setlist:

Episode II Intro
Babymetal Death
Iine!
Uki Uki ★ Midnight
Kami Band Performance
Akumu no Rondo
4no Uta
Catch me if you can
Akatsuki
Onedari Dai Sakusen
Megitsune
Doki Doki☆Morning
Give Me Choco!!
Ijime, Dame, Zettai
—–ENCORE—–
End of Episode II
Headbanger!!
Episode III Intro
The One

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Maik

Ich bin erst kurz vorm Köln-Konzert auf Babymetal aufmerksam geworden und gleich gepackt. :) Leider konnte ich zeitlich nicht die Konzerte besuchen und werde mich dann mal auf 2015 freuen. :)

Danke für den tollen Bericht und weg mit diesem Smartphones!

Hallo,Ich war mit meinen Kids(7+10 jahre alt)aus Österreich angereist.draussen in der Warteschlange wurden wir von Japanern(die mit der grossen Kamera)interviewt . Weiss irgendjemand wer das war und wo man sich das anschauen kann???

Ricardo Dietrich

Vielen Dank für eure Kommentare :) Ergänzen dazu lässt sich vielleicht noch, dass ich bis zum Encore die gesamte Zeit im Epizentrum des Geschehens war, verständlich also, dass da die Post abgeht. Weiter nach hinten und zu den Seiten hin war es dann von der Sicht her natürlich besser und die Smartphones wurden auch etwas erträglicher, zentral vor der Bühne allerdings hatte ich durchgängig mit den o.g. Problemen zu kämpfen^^

Ricardo Dietrich

Auch noch ergänzen möchte ich, das mir hoch und heilig versichert wurde, dass O2 als Provider nicht ausreichen würde, um in die Priority-Schlange zu kommen. Auf die Idee bin ich natürlich auch gekommen, einfach diesen auszuwählen, aber die Security hatte den Menschen ganz vorne in der Schlange erzählt, dass man die SIM-Karte kontrollieren würde. Aber gut, letzten Endes hat der Regen den Leuten in der normalen Schlange doch indirekt weitergeholfen, schnell reinzukommen =D

Als Deutscher in London kannst du den Netzbetreiber in deinem Telefon nach Belieben ändern, z.B. auf O2. Und dich damit in die O2-Priority-Reihe einreihen. Ist mir auch erst beim „normalen“ Einlass aufgefallen. Naja, für’s nächste Mal :).

Ricardo Dietrich

Danke fürs Verlinken auf deinem Blogeintrag :D Auch wenn ich da mit dm Burgerschuppen ein wenig Sarkasmus raushöre :p

Muhaha. Ja, durchaus :P

Allerdings überlege ich momentan, zu Silvester nach London zu fahren und dann auch durchzumachen. Mal schauen, wie meine Laune danach in den Flughafenschlangen sein wird.

Dismemberdave

Danke,vielen Dank für diesen atemberaubenden Bericht! Mein tiefes Beileid für die negativen Erfahrungen beim Konzert, viele Punkte davon habe ich genauso erlebt, wie diese sinnfreien 3 Schlangen vor der Halle,die VIP Schlange schützte auch nicht vor dem Regen…ich empfand die Halle eher als suboptimal,da der Boden eine Neigung nach vorne hatte, dadurch baute sich der Druck der Menschenmassen nach vorne noch mehr aus,und die paar Pseudostahlstangenwellenbrecher waren eher hinderlich. Natürlich sind die mitfilmenden Smartphones immer ein Ärgernis bei Konzerten,so auch hier! Und Jaa, der finale Song des Sets The one war eine Offenbarung,sehr sehr genial! Trotz ein paar Schattenseiten war… Weiterlesen »